Chvrches | ID40 Album der Woche

Mit „Love Is Dead“ wollen sich Chvrches zeitgemäß reflektieren und musikalisch fortentwickeln. Nun stecken sie aber in einer mit Zuckerwatte ausstaffierten Zeitschleife fest, die keine Zweifel daran lässt, dass nicht nur die Liebe, sondern auch ihr Sound tot ist.

Zu Beginn der 2010er waren Chvrches ein verheißungsvoller Newcomer-Prototyp des neonflackernden Synthie-Pop-Revivals. Der Formel von Stilgeschwistern wie Robyn oder The Knife verliehen Lauren Mayberry, Iain Cook und Martin Doherty den infantilen Witz einer Teen-Pop-Patrouille, die sich dank ihres DIY-Credos einen solchen Vorwurf nie gefallen lassen musste. Nun geht’s aber ums Erwachsenwerden. Dass das Electro-Pop-Trio diese Idee jedoch um kosmische Weiten verfehlt, bezeugt bereits ihr zynischer Titel, mit dem sie sich selbst karikieren. Postadoleszente Befreiung fällt den missverstandenen Sensibelchen schwer, klar. Mayberry schwadroniert unaufhörlich über das empathielose Endzeitalter, während das Klangkonzept der Schotten offenbar in den CD-Wechsler von Papas Benz gehören soll, in dem der mit Akne übersäte und mit Ritalin vollgestopfte Abiturient aufs Schützenfest fährt.

Sensorische Überreizung, begradigende Auto-Tunes, überdrüssige Synthie-Arpeggien und reflexbasiertes Wiederholungsparadigma überladen »Love Is Dead« so unausstehlich, dass die Visionen vom Verlassen der Komfortzone auf den vor Dubstep und Future-Bass rumpelnden Vibratos von Tracks wie »Miracle« zu schnell vergessenem Feinstaub zerfallen. Der vocoderverliebte Call/Response-Singsang auf Helium, mit dem Greg Kurstin als hauptverantwortlicher Produzent schon Sia zermürbte, macht Chvrches zu legitimen Feature-Gästen des nächsten Kinder-Trance-Samplers der Schlümpfe. Passenderweise singt Mayberry »I’m not asking for a miracle« – für diese Kirmes-Pop-Grütze hat sie auch keines zu erwarten.

Via Benni Bender für Intro