Soulwax – Belgica OST

ID40 Top Album 10

Die Belgier erfinden sich 15 mal neu.

Die Belgier Soulwax steuern für den Film „Belgica“ von Felix Van Groeningen („Die Beschissenheit Der Dinge“, „The Broken Circle“) nicht nur einfach einen Soundtrack bei. Die Brüder Dewaele haben 15 Bands erfunden und den dazu jeweils passenden Sound entwickelt. Dabei reicht die Palette von der Live-Kraut-Techno-Band White Virgins, über das Psychobilly-Trio They Live bis hin zum Neo-Soul-Pop von Charlotte.

Für die Bands wurden echte Musiker ans Set geholt. Burning Phlegm zum Beispiel besteht aus Igor Cavalera, dem ehemaligen Drummer von Sepultura, der auch Teil der belgischen Hardcore-Band Dead Stop ist. Drei der vier Mitglieder von The Shitz machen im echten Leben, unter dem Namen The Hong Kong Dong, zusammen Musik.

Soulwax schrieben die Songs und nahmen sie im Studio auf. Für den Soundtrack ließen sie die Lieder dann von den Film-Bands spielen, um sie live aufzunehmen.

„The Best Thing“ von Charlotte, mit seiner düsteren Melodie beschreibt die Tragik der beiden Protagonisten Jo und Frank. Der Erfolg ihres Clubs „Belgica“. Die damit einhergehende nicht enden wollende Party und der übertriebene Koks-Konsum fordern ihren Tribut und richten die Brüder zugrunde. Textlich von Charlotte aufgegriffen mit „you’re the best thing that never happened to me“ und „you’re the worst thing that always happend to me“.

The Shitz durften gleich zwei Lieder zum Soundtrack beisteuern. „How Long“ präsentiert sich in feinster Indie-Manier, bevor es im Refrain dann mit verzerrten Gitarren eine punkigere Richtung einschlägt. Für „Sell It With Your Face“ orientiert sich die vierköpfige Band dann eher am Shoegazing.

Soulwax können aber auch Disco. Für die Rubber Band schreiben sie „Caoutchouc“ und schicken so die Besucher des „Belgica“ mit einer funky Bassline direkt zurück in die goldene Disco-Ära.

Zum entspannten Ausklingen der Party und zum Runterkommen liefern Light Bulb Matrix den Soundtrack. „Hot December“ funktioniert mit dubbigen Drums, souligem Gesang und beruhigendem Glockenspiel auch hervorragend im Sommer.

Kursat 9000 mischen für ihren Sound Elektro mit türkischer Folklore. Die Saz, eine Art Gitarre, zeichnet für den typischen Klang verantwortlich. Treibende Beats unterlegen die Melodie, zu denen sich türkischer Gesang gesellt, fertig ist „Cölde Kutup Ayisi“, was wohl soviel wie „Eisbär in der Wüste“ bedeutet. Dieser sticht dort ungefähr genau so hervor wie der Song aus dem Soundtrack.

Weiter geht die Reise nach Italien zu Erasmus, für die Soulwax ihre Freundin Peaches zum Vorbild genommen haben. Zumindest erinnert der Song stark an die kanadische Electroclash-Sängerin. „Ti Ricordi Di Mi“ hat auf jeden Fall das Zeug dazu, den Dancefloor des „Belgica“ zum Brennen zu bringen.

Beinahe grenzenlos scheint die Kreativtät der beiden Musiker. Dance, Reggae, Elektro, Folklore, Indie, da fehlt natürlich noch das Punk-Trio Burning Phlegm die mit „Nothing“ alles abreißen und den Club verwüstet zurück lassen.

Bei „Don’t Wait Up For Me“ fühlt man sich an Lou Reed erinnert, zumindest was den Gesang angeht. Musikalisch trifft bei Roland McBeth die Slide-Gitarre auf elektronische Beats, was am ehesten noch mit Dirtwire vergleichbar wäre.

Sphärische Klängen ertönen dann am Ende der Platte bei „Inward“ von Noah’s Dark. In dem über sechs Minuten dauernden Stück toben sich Soulwax nochmal richtig an den Synthesizern aus. Mittendrin unterbrechen sie den wabernden Klangteppich, unterlegen ihn mit Drums und geben dem Song so einen clubbigen Anstrich. Aber nur kurz gehts nach vorne weg, ehe er sich wieder beruhigt, um mit Piano-Tönen und Streichern auszuklingen.

Mit dem Soundtrack für Belgica beweisen Soulwax, dass sie eine der kreativsten Köpfe im Musikbusiness sind und sich von Genre-Grenzen nicht aufhalten lassen. Während sich bei vielen komponierten Soundtracks oftmals ein Thema oder Motiv durch die verschiedenen Tracks hindurch zieht, steht hier jeder Song und jede Band für sich. Kaum zu glauben, dass alle Songs aus der selben Feder stammen.

Source: Julian Fischer für laut.de

 

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